Heiraten liegt im Trend. Doch was hat es mit den klassischen Bräuchen rund um die Hochzeit eigentlich auf sich? Wir haben uns die gängigsten Hochzeitstraditionen vom Antrag über das Brautstrauß werfen bis hin zur Hochzeitskerze genauer angesehen und herausgefunden, was wirklich dahinter steckt.

Redaktion: Claudia Eherer

Willst du mich heiraten?
Es war früher noch üblich, dass ausschließlich der Mann den Antrag macht. Inzwischen gibt es auch  immer mehr Damen, welche die Initiative zur Frage aller Fragen ergreifen. Nach einer alten Tradition, haben Frauen immer nur alle vier Jahre, nämlich am 29. Februar die Möglichkeit, dem Zukünftigen einen Antrag zu machen. Dies hat den Grund, dass zu früheren Zeiten dieses Datum als „rechtlich ungültig“ angesehen wurde – deshalb durften auch alle Regeln auf den Kopf gestellt werden.

Der letzte Morgen
Traditionellerweise verbringt die Braut ihre letzte Nacht als ledige Frau in ihrem Elternhaus. Dort wird sie am Morgen der Hochzeit jedoch  sehr früh durch Böllerschüsse und/oder Blasmusik geweckt. Dieser Radau hat natürlich einen Zweck: Auf der einen Seite werden böse Geister vertrieben, auf der anderen Seite wird ein neuer Lebensabschnitt positiv willkommen geheißen.

 

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 Wo ist die Braut?
Es ist üblich, dass die Braut nur von ihren besten Freunden entführt werden darf. Die Kidnapper ziehen danach mit ihr von Wirtshaus zu Wirtshaus, wobei der zurückgelassene Bräutigam und dessen Trauzeuge die Zeche  bezahlen soll. Das Brautstehlen ist eine alte Tradition, die aber bei vielen Hochzeiten gar nicht gerne gesehen wird –  die Hochzeitsgesellschaft wird dadurch zerrissen, manche Hochzeitsgäste bleiben alleine zurück und oft ist die fröhliche Stimmung dahin. So wird dieser Brauch heutzutage bereits im Vorfeld von vielen Brautpaaren abgelehnt.

Emotionale Unterstützung
In früheren Zeiten dienten die sogenannten Brautjungfern dazu, boshafte Geister von Braut und Bräutigam zu vertreiben.  Die Anwesenheit vieler hübscher junger Frauen sollte für Verwirrung bei den Geistern sorgen die somit die „richtige“ Braut inmitten der hübschen Damen nicht finden konnten, um diese zu stehlen. Heute ist es  hauptsächlich in den Vereinigten Staaten von Amerika Sitte, dass diese Kleider tragen, die dem Brautkleid ähneln  und sich nur in der Farbe unterscheiden. Bei uns sind Brautjungfern nicht mehr üblich – die Freundinnen der Braut sind hauptsächlich zur praktischen und emotionalen Unterstützung der Braut vor und während der Hochzeit anwesend, ein Kleiderzwang existiert in unseren Breiten ( zum Glück) nicht.

Wer fängt, ist dran!
Was es mit dem Werfen des Brautstraußes auf sich hat, ist bekannt, die unverheiratete Dame mit der besten Fanghand darf sich freuen. Doch was ist mit den Herren der Schöpfung? Irgendwann gegen Ende der Feierlichkeiten wirft die Braut ihr Strumpfband in eine Gruppe von unverheirateten Männern – einer ist der Glückliche und fängt es – er ist dann laut Tradition der nächste, der heiraten wird.  Heutzutage wird das Strumpfband auch gerne direkt vom Bein der Braut herab an den Höchstbietenden versteigert, eine etwas weniger stilvolle Variante.

Blumen streuen
Als alter, heidnischer brauch, hat sich Streuen von Blumen als schöne Tradition bis heute bewährt. Doch was hat es damit auf sich? Dadurch, dass kleine Kinder Blütenblätter auf den Boden streuen, über welchen das Brautpaar gehen wird, sollen Fruchtbarkeitsgötter angelockt werden und für reichen  Kindersegen sorgen.

 Something old …
… something new, something borrowed, something blue and a silver sixpence in your shoe.

Dieser schöne Spruch kommt aus England und besagt, dass die Braut an ihrem großen Tag unbedingt etwas Altes, etwas Neues, etwas Geborgtes, etwas Blaues und eine Münze bei sich tragen soll. Bis auf die Münze, die im linken Schuh der Braut versteckt wird, ist diese Tradition bei uns üblich. Doch was bedeutet dies nun im Einzelnen?

Das Alte symbolisiert den vergangenen Lebensabschnitt der Braut – das Leben als Kind, als junges Mädchen bei den Eltern. So ist es auch meistens die Brautmutter, die etwas Altes in Form eines Schmuckstücks beisteuert. Gerne wird auch das Brautkleid der Mutter dazu getragen.

Das Neue steht nun für den nun beginnenden Lebensabschnitt der Braut. Hier etwas zu finden ist nicht schwer – die Schuhe, das neue Kleid, ein Täschchen oder auch ein neu gekauftes Schmuckstück kommen dafür in Frage.

Das Geborgte steht für langjährige Freundschaften und symbolisiert deren Beständigkeit. Meistens ist es die Schwester oder beste Freundin der Braut, die ihr für den Hochzeitstag eine Kleinigkeit leiht, zum Beispiel Handschuhe, Ohrringe oder einen Lippenstift.

Das Blaue soll die Reinheit und die Treue darstellen. Der Klassiker schlechthin ist das blaue Strumpfband. Aber auch ein schönes Taschentuch kommt dafür in Frage.

Die Tradition mit der Münze ist in unseren Breiten leider in Vergessenheit geraten – diese soll nämlich den Wohlstand in der Ehe garantieren, weiters ein Eheleben voller Freude und Glück. Grund genug, diesen Brauch wieder aufleben zu lassen!

Starke Arme
Seine frisch angetraute Braut über die Schwelle zu tragen, ist eine ganz gängige Tradition. Der Hintergrund dabei ist, dass die Braut nicht mit den Geistern in Berührung kommen soll, die unter der Türschwelle lauern.

Ein Licht für uns
Eine Hochzeitskerze ist eine ganz wunderschöne Tradition, welche auch in schwierigen Zeiten hilft, die Liebe und die Gemeinsamkeiten hochzuhalten. Nach altem Brauch wird die Hochzeitskerze von der Taufpatin oder der Mutter der Braut an diese übergeben.  Auf der Kerze sollen das Hochzeitsdatum sowie die Namen der Eheleute vermerkt sein. Die Kerze wird während der kirchliche Trauung entzündet uns stärkt somit auch den christlichen Bund. Im Laufe des Ehelebens wird sie zu besonderen Anlässen entzündet, etwa an den Hochzeitstagen oder als Versöhnungsgeste nach einem Streit. Sie erinnert so immer an den wunderschönen Beginn des gemeinsamen Lebens.