WK widerspricht AK: Mehr Lehrbetriebe bilden wieder mehr Lehrlinge aus

Widerspruch zu den Ergebnissen einer Befragung der Kärntner Betriebsräte meldete Kärntens Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl an. Die AK hatte gemeldet, es gebe immer weniger Lehrlinge und Lehrbetriebe in Kärnten. Mandl: „Betrachtet man die aktuelle Entwicklung, ist das Gegenteil der Fall: Es gibt wieder mehr Betriebe, die ausbilden, und mehr junge Menschen, die eine Karriere mit Lehre anstreben. Wir sind sehr froh darüber, dass unsere jahrelangen Bemühungen für eine Stärkung der dualen Ausbildung nun Früchte tragen.“

WK Präsident Jürgen Mandl. Foto: Helge Bauer

Kärnten habe bereits im Vorjahr bei der Lehrausbildung nicht nur die Trendwende geschafft, sondern war sogar Spitzenreiter der österreichischen Bundesländer. Mandl: „Das hat mit einem Bewusstseinswandel in der Bevölkerung zu tun, aber mindestens ebenso viel mit akribisch gemachten Hausaufgaben. Wir haben es geschafft, die Akzeptanz der Lehre deutlich zu heben.“

Das zeigt sich daran, dass 2017 die Anzahl der Lehrlinge im 1. Lehrjahr in Kärnten um 6,5 Prozent (Ö-Schnitt + 3,1 Prozent) gestiegen ist. Betrachtet man nur die Ausbildung in den klassischen Lehrbetrieben (ohne die Ausbildungsverhältnisse mit überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen wie WIFI, BFI etc.), zeigte sich ein noch positiveres Bild, nämlich ein Plus von 9,3 Prozent ­- der Spitzenwert unter den Bundesländern, der Ö-Schnitt betrug nur + 4,1 Prozent. Mandl: „Ein größerer Anteil der Pflichtschulabgänger habe sich im Vorjahr für eine Lehre entschieden.“

Der erfreuliche Trend setze sich allerdings, wie aktuelle Zahlen zeigen würden, heuer ungebrochen fort. Momentan verzeichne Kärnten bei den betrieblichen Lehrlingen im 1. Lehrjahr (Lehreintritten) erneut ein Plus von 5,5 Prozent und liege damit wieder weit über dem Ö-Schnitt (+4,3 Prozent). Auch die Zahl der Kärntner Lehrbetriebe sei um ein Prozent gestiegen und die Gesamtzahl an Lehrlingen um 1,9 Prozent. Mandl: „Das ist für den Wirtschaftsstandort ebenso erfreulich wie die steigende Ausbildungsbereitschaft der Kärntner Unternehmen, die einen enorm wichtigen Beitrag zur Qualifizierung unserer Jugend und zur Sicherung des Kärntner Fachkräftenachwuchses leisten.“

Nicht nachvollziehen kann Mandl daher die Darstellung des Lehrstellenmarktes durch die AK: „Fakt ist, dass lt. AMS-Statistik im Oktober 2018 430 sofort verfügbaren Lehrstellen nur 361 sofort verfügbare Lehrstellensuchende gegenüber standen. Auf eine verfügbare Lehrstelle kamen folglich 0,84 potentielle Bewerber und nicht – wie von der Arbeiterkammer dargestellt – fast 2.“ Die Entwicklung am Lehrstellenmarkt sei grundsätzlich dadurch geprägt, dass die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Steigen begriffen sei und jene der Lehrstellensuchenden stagniere bzw. sogar sinke. Vor drei Jahren seien auf eine gemeldete Lehrstelle beispielsweise noch 2,35 Suchende gekommen. Mandl: „Es liegt also auf der Hand, dass wir nicht mit einem Mangel an Lehrstellen sondern vielmehr mit einem Mangel an Lehrstellensuchenden konfrontiert sind.“

Bemühungen der WKK tragen Früchte

Trotz der erfreulichen Kärnten-Bilanz bleibt viel zu tun. Laut mehreren Befragungen ist der Fachkräftemangel das bestimmende wirtschaftspolitische Standortthema der Kärntner Unternehmen. Diverse Studien prognostizieren in den nächsten Jahren eine massive Lücke an über die Lehre qualifizierten Fachkräften. Mandl: „Es bedarf daher eines gemeinsamen Kraftaktes der wichtigsten Player und der Politik, um dieser zentralen Herausforderung entgegenzutreten.“ Die Wirtschaftskammer Kärnten ist sich ihrer dabei wesentlichen Rolle bewusst. Sie bringt sich gestalterisch ein und setzt seit Jahren vielzählige Aktivitäten zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Dazu gehören u.a.:

Test- und Ausbildungszentrum (TAZ)

Über 20.000 Jugendliche (80 Prozent aller Jugendlichen in Kärnten) wurden bereits im topmodernen Testcenter auf ihre Stärken und Talente getestet. Unternehmen werden vom TAZ auch bei der Lehrlingsauswahl unterstützt, indem sie ihre Anforderungsprofile an zukünftige Lehrlinge hinterlegen können.

Talenteakademie

Die Wirtschaftskammer fördert die talentiertesten Lehrlinge, die eine wichtige Botschafterrolle für die duale Ausbildung einnehmen, durch die professionelle Vorbereitung auf Staats-, Europa- und Weltmeisterschaften. Auch die Wahl zum Lehrling des Jahres wird von der Talenteakademie organisiert.

Berufsorientierung

Eine wesentliche Zielsetzung der Wirtschaftskammer Kärnten ist es auch, im Zuge der frühzeitigen Berufsorientierung bei möglichst allen Jugendliche und Eltern endlich das Bewusstsein für die Vorzüge, die Vielfalt und die Top-Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die eine Lehrausbildung bietet, zu schaffen. Messeauftritte, Vorträge bei Elternabenden, Infoveranstaltungen für Berufsorientierungslehrer, die WK-Imagekampagne „Du bist genial“ und unzählige Aktivitäten der Fachorganisationen sollen dazu beitragen.

Beratung, Unterstützung und Förderung der Lehrbetriebe

Die Lehrlingsstelle der WKK bietet aktiven und zukünftigen Lehrbetrieben umfassende persönliche Beratungsleistungen z.B. zu Rechtsfragen oder neuen Berufsbildern und hilft u.a. über die mit dem AMS gemeinsam organisierte Lehrstellenbörse und die Schnupperbörse bei der Suche nach geeigneten Lehraspiranten. Zusätzlich wickelt das Förderreferat der Lehrlingsstelle die Lehrbetriebsförderung für den Bund ab, berät Unternehmen umfassend und individuell über die vielfältigen Fördermöglichkeiten und zahlt an die ausbildenden Betriebe jährlich rund 10.000.000 Euro an Bundesförderungen aus.

„Lehre nach Matura“ als Antwort auf den Fachkräftemangel

Ein wesentlicher Eckpfeiler der Bemühungen ist es auch, bestimmte Zielgruppen verstärkt für die Lehre zu begeistern. In Kärnten absolvieren derzeit nur rund 4% der Maturanten nach ihrer schulischen Ausbildung eine praxisorientierte Lehrausbildung. Das große Potential dieses Karrierewegs zeigt die Tatsache, dass sich in Deutschland fast 30 Prozent der Abiturienten für eine duale Ausbildung entscheiden. Mandl: „Wir sind gerade dabei, auf Grundlage des bereits erhobenen – und erfreulicherweise sehr großen – Lehrstellenpotentials für Maturanten aktiv an der Schaffung und Gestaltung eigener Berufsschulklassen mitzuwirken und u.a. über eine Informationskampagne sowie Infoveranstaltungen an den Schulen die Maturanten von den Vorzügen dieser Ausbildungskombination zu überzeugen.“