Das EU-Projekt „HealthNet“ überwindet räumliche Distanzen und bringt Expertenwissen zusammen. Ausgewählte Patienten mit chronischen Wunden werden erstmals in Kärnten per Bildschirm in den eigenen vier Wänden zu Hause betreut. Die innovative Versorgung der meist älteren Menschen, vereinfacht den gesamten Ablauf einer Visite. Ein aufwendiger Weg ins Krankenhaus, deren einziger Anlass oft die Beurteilung solcher Wunden ist, kann damit vermieden werden.

Im österreichweit ersten Kompetenzzentrum Multiprofessionelles Wundmanagement Elisabethinen-Krankenhaus entwickelt man zudem die Grundlagen für die bestmögliche Wundversorgung.

Starten mit der digitalen Patientenversorgung bei chronischen Wunden: DGKP Zita Kis Dadara, MSc., Leiterin des Kompetenzzentrums Multiprofessionelles Wundmanagement, Pflegedirektorin DGKP Elisabeth Rogy, MSc, GF Dir. Mag. Michael Steiner, MAS, LH Stv. Dr. Beate Pretter sowie OA Dr. Walter Müller, MSc. vom Department für Akutgeriatrie und Remobilisation. Foto: EKH

 Bei manchen Patienten heilen Wunden nur noch schlecht oder nicht mehr vollständig ab. Von „chronisch“ sprechen Ärzte dann, wenn eine Wunde nach sechs bis acht Wochen noch nicht abgeheilt ist. Die Gründe können Diabetes Mellitus, chronische Gefäßerkrankungen (Raucherbeine) sowie ein Krampfadernleiden etc. sein. Anstatt langer Krankenhausaufenthalte und wöchentlichen Vorstellungen in der Wundambulanz besteht für Betroffene die Möglichkeit, sich zu Hause behandeln zu lassen.

Möglich gemacht wird das durch die Einbindung von medizinischen IKT-Lösungen, sprich neuester Informations- und Kommunikationstechnologien. Diese initiiert das EU-Projekt HealthNet. Österreichweit ist Kärnten über die Gesundheitsabteilung des Landes und mit dem Elisabthinen-Krankenhaus Klagenfurt die Pionierregion. „Unsere Partner, mit denen wir im regelmäßigen Erfahrungsaustausch stehen, sind die Region Veneto und die Local Health Authority in Triest“, informiert Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner. Seit nunmehr rund vier Wochen läuft HealthNet – die Tele-Visite bei chronischen Wunden am EKH – in der Praxis mit 10 Patienten aus dem Bezirk Völkermarkt und in Zusammenarbeit mit speziell geschultem Pflegepersonal der AVS und dem Hausarzt. Die Versorgung von 20-25 Patienten sind für das HealthNet-Projekt vorgesehen.

Digitaler Hausbesuch

Im Konkreten schickt man Bilder von den Wunden über sichere Internetkanäle direkt zum behandelnden Arzt ins Krankenhaus, damit dieser jederzeit „up to date“ ist. „Momentan sind es 10 Patienten mit chronischen Wunden, die wir ambulant betreuen und die sich bereit erklärt haben, sich für das Pilotprojekt zur Verfügung zu stellen“, erklärt EOÄ Dr. Christiane Dreschl, MBA, vom Wundzentrum am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt.

„Im Anschluss an die Befundung erstellt der Wundexperte einen Therapievorschlag, welcher automatisch parallel an den Hausarzt und an den ambulanten Pflegedienst als Ergebnismeldung versendet wird“, beschreibt die Erste Oberärztin Dr. Christiane Dreschl, MBA. Der Hausarzt verordnet und ergänzt evtl. die Therapie, welche der ambulante Pflegedienst ausführt und zu einer optimalen Wundheilung führt.

Betreuung per Bildschirm bringt zahlreiche Vorteile

„Die Telekonsultation kann hier viele aufwändige persönliche Besuche im Krankenhaus vermeiden. Die Meinung eines Wundspezialisten kann mittels Bildübertragung schneller und somit effizienter eingeholt werden“, erklärt Mag. Michael Steiner, MAS Geschäftsführer des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt und Gesamtleiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan.

Vor allem für schwer pflegebedürftige Menschen werden auf diese Weise unnötige Transporte vermieden, schildert OA Dr. Walter Müller, MSc. vom Department für Akutgeriatrie und Remobilisation. „Die Vorteile der Tele-Visite liegen darin, dass sich die Lebensqualität der Betroffenen verbessert, stationäre Aufenthalte vermieden, Warte- und Wegezeiten verkürzt sowie Rezidivraten gesenkt und die Heilung verbessert werden.  Außerdem stehen Wundexperten engmaschig zur Verfügung und können bei Bedarf schnell eingreifen“, so Müller.

Technische Umsetzung der „Wundsprechstunde“

„Die Entwicklung moderner Medizin unter Ausnützung der digitalen Möglichkeiten ist Schritt für Schritt in die konkrete Patientenbehandlung zu integrieren. Vieles, was wir noch vor kurzem als Zukunftsmusik angesehen haben, kann und muss als Realität gelebt werden“, betont Prettner. Sie ist überzeugt, dass sich das Projekt HealthNet zu einem Vorzeigemodell der integrierten Gesundheitsversorgung entwickeln wird.

m Konkreten schickt man Bilder von den Wunden über sichere Internetkanäle direkt zum behandelnden Arzt ins Elisabethinen-Krankenhaus geschickt. Foto: Helge Bauer
Ersten Patienten im Bezirk Völkermarkt

Das Projekt startete im Bezirk Völkermarkt als Pilot mit EU-Förderung, und zwar vorerst befristet mit 31. 12. 2019. „Es ist davon auszugehen, dass es nach dem Testlauf weitergeführt und ausgebaut wird“, sagt Prettner.

Wundzentrum am EKH

Das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt verfügt über ein Wundzentrum, das europaweit zu den erfahrensten interdisziplinären Zentren in der Versorgung chronischer Wunden zählt.Die jahrelangen Erfahrungen aus der Praxis zeigen klar und deutlich: Die Versorgung von Wundpatienten in Österreich muss verbessert werden.

„Weltweit gibt es alleine in Österreich ca. 6.000 unterschiedliche Produkte zur Wundversorgung. Das kann niemand alleine überblicken. Daher ist es notwendig“, erläutert die Leiterin des Kompetenzzentrums, Zita Kis Dadara, MSc, DGKP, „dass Mitarbeiter die jeweils für sie relevanten Informationen bestmöglich aufbereitet erhalten.

Die Ergebnisse der Entwicklungstätigkeiten fließen als Wissenstransfer direkt in die Wundversorgung vor Ort ein und kommen so den Patienten zu Gute. „Denn 90 Prozent des Erfolgs bei der Wundheilung machen Behandlungskonzepte aus, die von kompetenten Mitarbeitern umgesetzt werden“ so Zita Kis Dadara. Ein Beispiel hierfür ist die Wundambulanz im EKH und somit auch das Projekt „HealthNet“.