Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer Kärnten vergaben in der achten Auflage sechs mit je 10.000 Euro dotierte Auslandsstipendien an hoch begabte junge Studierende und Wissenschaftler.

„Mit dem Durchschnitt werden wir in Zukunft beim Export nicht mehr vorne dabei sein“, meinte die Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, Christiane Holzinger bei der Verleihung der Stipendien am 21. März im High-Tech-Campus des Technologieparks Villach. Die Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Kärnten, Claudia Mischensky, stieß ins selbe Horn: „Wir brauchen im Standortwettbewerb die besten Hände und Köpfe“. Dazu ist exzellente Forschung nötig, war man sich einig. Die jungen Forscherinnen und Forscher an die besten Unis und Forschungsinstitute hinaus in die Welt zu schicken, um diese dann mit zusätzlichen Kompetenzen wieder zu bekommen, ist das Ziel des Stipendienprogramms.

Der Vorsitzende der Jury, IV-Kärnten-Vizepräsident Oliver Zlamal, ist begeistert: „Das Niveau steigt von Jahr zu Jahr.“ Und das trotz Schwerpunkt auf den MINT-Fächern bei anhaltend hohem Frauenanteil. Sowohl bei den Einreichungen als auch bei den zuerkannten Stipendien lag der weibliche Anteil bei der Hälfte. Zum achten Mal vergaben Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer Kärnten heuer sechs der mit je 10.000 Euro dotierten Exzellenz-Auslandsstipendien. Insgesamt beläuft sich die Fördersumme damit schon auf 720.000 Euro.

Die Stipendiaten 2019

Fünf der Stipendiaten präsentierten ihre Projekte im Rahmen der Verleihung:

Oliver Zlamal, Jennifer Simonjan, Paul Piechl, Bernd Somitsch, Julia Höbart, Martin Scheiber, Christiane Holzinger
Foto: Gert Eggenberger

Jennifer Simonjan aus Klagenfurt ist schon Assistentin am Institut für vernetzte und eingebettete Systeme der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Sie beschäftigt sich im Rahmen ihres Doktoratstudiums mit Sensor- und Kameranetzwerken im Nanobereich wie sie etwa in Zukunft in der Medizin bei der „Intra-Körper-Sensorik“ oder in der Roboter-Mensch-Interaktion zum Einsatz kommen werden. Sie geht dazu nicht zum ersten Mal ans California Institute of Technology und zu den Erfindern des „Internet of Nano Things“.

Paul Piechl, ebenfalls aus Klagenfurt, ist fasziniert vom Wirtschaftsingenieurwesen, wo er auch schon seinen Abschluss an der TU Wien gemacht hat. Darüber hinaus verfügt er über reichlich Berufserfahrung und möchte sich jetzt an der University of Warwick in England damit beschäftigen, wie moderne vor allem digitale disruptive Technologien auf Wertschöpfungsketten wirken. Deren enorme Komplexität erläuterte er anhand des Beispiels Airbus. Ein moderner Jet besteht aus vier Mio. Teilen, die von 1.500 (!) Lieferanten kommen.

Bernd Somitsch aus Spittal/Drau ist mit 22 Jahren der jüngste Stipendiat. Trotzdem hat er schon eine beachtliche wissenschaftliche Karriere hinter sich. Er hat an der TU Graz Wirtschaftsingenieurwesen studiert, war zwischendurch ein Jahr in Bordeaux und hat ganz nebenbei perfekt Französisch gelernt. Jetzt geht er zum Masterstudium an die renommierte ETH Zürich, wo er sich mit dem Thema Smart Factory und dem Management von neuen disruptiven Technologien wie dem 3D-Druck beschäftigen wird. Das Zauberwort heißt „additive Fertigung“. Somitsch sieht hier für das Hochtechnologieland Kärnten hohe Bedeutung und Relevanz.

Martin Scheiber aus Steindorf begeistert sich für Drohnen. Und das schon seit seinem Studium an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und diversen Projekten. Ihm schweben Drohnen mit möglichst wenig Sensorsystemen, dafür viel eigener Intelligenz vor, damit sie sich in Zukunft automatisch selbst re-initialisieren können. Das übrigens nicht nur auf der Erde, sondern auch auf anderen Planeten. Deshalb geht er ans Jet Propulsion Lab der NASA in Kalifornien.

Julia Höbart aus Klagenfurt hat ursprünglich Veterinärmedizin in Wien studiert, hat dann aber für die Krebsforschung Feuer gefangen. Sie beschäftigt sich in einer Forschergruppe an der London University im Rahmen eines Vier-Jahres-Programms mit Kopf-Hals-Krebs, der zu den Top-10-Krebserkrankungen gehört und wo die Heilungschancen derzeit nur bei rund 50 Prozent liegen. Der Forschungszugang sind hier molekulare Bildgebungs- und Immuncheckpoint-Inhibitor-Verfahren.

Verena Rinnofner aus Kolbnitz fehlte bei der Verleihung. Sie ist schon am Studienort, der University of British Columbia in Vancouver, Kanada. Sie war an der FH Krems und beschäftigt sich auch mit einem Medizinthema: der Charakterisierung der Kontext-spezifischen Funktionen Gruppe 3 angeborener Lymphoider Zellen (ILC3) und ihren Auswirkungen auf schwerwiegende Pneumopathien.

Mitglieder der Jury:

Vorsitzender Oliver Zlamal, Vizepräsident der IV Kärnten, KMF Maschinenfabriken

Otmar Petschnig, Vizepräsident IV Bundesorganisation und Vizepräsident Wirtschaftskammer Kärnten, Fleischmann & Petschnig

Roland Sommer, Geschäftsführer Bundes-Plattform Industrie 4.0 für intelligente Produktion

Michael Hofbaur, Leiter Institut für Robotik und Mechatronik des Joanneum Research

Thomas Moser, Geschäftsführer Makerspace Carinthia der WK Kärnten

Christoph Magnes, Institut „Health“ des Joanneum Research, Leiter des Bereichs Bioanalytik und Metabolomics

Werner Scherf, Vorstand CTR AG

 

Voraussetzungen für die Zuerkennung eines Stipendiums:

mindestens ein Bachelorabschluss
Höchstalter: 30 Jahre
Schwerpunkt in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik)

Kriterien der Bewertung:
35% zählt die wissenschaftliche Bedeutung der Arbeit für die Kärntner Wirtschaft,
50% wiegt die Exzellenz in Form von innovativer Neuheit sowie Komplexität der Forschungsfrage und
15% der bisherige Studienerfolg