2017 war ein gutes Jahr für den Kärntner Arbeitsmarkt: Der Aufschwung in der Wirtschaft ließ die Nachfrage nach Arbeitskräften steigen. Mit 210.353 Personen in Beschäftigung kann in Kärnten ein Rekordwert vermeldet werden. Auch die Zahl der beim AMS gemeldeten Stellen hat stark zugenommen: im Jahresschnitt um +44,5% (+965). „Derzeit profitieren alle Branchen von der guten Konjunktur“, sagt Franz Zewell, Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice (AMS) Kärnten.

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Franz Zewell, Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice (AMS) Kärnten.

Die gute Entwicklung zieht sich nicht nur quer durch die Branchen, sondern auch quer durch unser Bundesland. In allen Bezirken hat die Arbeitslosigkeit 2017 abgenommen. Kärntenweit betrachtet waren im Jahresdurchschnitt 23.854 Personen ohne Job. Das ist ein Minus von 6,3% (-1.610 Personen). Die Arbeitslosenquote liegt bei 10,2% (2016: 10,9%).
Besonders profitieren konnten vom Konjunkturaufschwung Arbeitsuchende bis 45 Jahre; sie waren – und sind – am Arbeitsmarkt besonders gefragt. So ist etwa die Jugendarbeitslosigkeit (Personen bis 25 Jahre) um 15,2% zurückgegangen. Zewell: „Hier greifen die Maßnahmen, die wir in Kärnten seit Jahren schwerpunktmäßig für diese Gruppe setzen und die 2017 um die gesetzliche „Ausbildungspflicht bis 18“ und die „Ausbildungsgarantie bis 25“ erweitert wurden.“
Bei den älteren Arbeitsuchenden (Personen ab 50 Jahren) konnte der Anstieg eingebremst werden: Verglichen zum Vorjahr hat die Arbeitslosigkeit hier um 1% zugenommen (2016: +3,3%).

Die Krisenjahre wirken noch nach
Betrachtet man den Arbeitsmarkt über einen längeren Zeitraum hinweg (2008 – 2017), so zeigt sich ein differenzierteres Bild. Zewell: „Wir haben in Kärnten viele stabile Branchen. Jene aber, die von der Krise 2008/09 besonders betroffen waren, haben noch immer Aufholbedarf. Das sind z.B. die Bereiche Herstellung von Waren, Bau und Verkehr.“ Besonders hohe Zunahmen (bei Beschäftigten und Arbeitslosen) verzeichnen in diesem Zeitraum die Arbeitskräfteüberlasser: Hier entstehen vor allem kurze Dienstverhältnisse zur Abdeckung von Kapazitätsspitzen in Betrieben.
Noch immer gibt es in Kärnten rund 7.600 Arbeitslose mehr als 2008, rechnet man die SchulungsteilnehmerInnen mit ein, sind es sogar 8.640 Personen. Der mehrjährige Vergleich zeigt außerdem sehr deutlich, dass es Personen über 50 Jahre heutzutage bei der Jobsuche besonders schwer haben: 2008 waren im Durchschnitt 3.428 Personen über 50 arbeitslos, 2017 waren es

7.489 – ein Anstieg um 118,5%. Steigendes Alter, gesundheitliche Probleme oder schlechte Qualifizierung erschweren die Situation zusätzlich. In der Folge gleiten viele ältere Personen in die Langzeitbeschäftigungslosigkeit* ab.
Von 2008 auf 2017 hat sich die Zahl aller Langzeitbeschäftigungslosen (AL, SC, LS) beinahe verdreifacht auf insgesamt 8.393 Personen. Mehr als ein Drittel von ihnen (36,4%) ist 50+.
„Um speziell diesen Menschen Perspektiven und Chancen zu geben, braucht es Alternativen am zweiten Arbeitsmarkt“, sagt Zewell. Eine solche war 2017 die „Aktion 20.000“. Im Rahmen dieses österreichweiten Sonderprogrammes sollten – so die Zielvorgabe – kärntenweit insgesamt 1.188 zusätzliche Jobs für ältere, langzeitbeschäftigungslose Personen im gemeinnützigen Bereich geschaffen werden. Jedoch folgte per 31.12.2017 die Sistierung durch die neue Bundesregierung. Bis zu diesem Zeitpunkt haben 293 ältere Langzeitbeschäftigungslose in Kärnten über die „Aktion 20.000“ einen Job gefunden.

Positiver Ausblick

Der Ausblick für das Jahr 2018 fällt positiv aus. Zewell: „Wir rechnen mit einer weiterhin guten wirtschaftlichen Entwicklung; die Beschäftigung wird weiter steigen, die Arbeitslosenzahl sinken.“ Herausfordernd bleibe die Situation am Arbeitsmarkt für ältere Menschen, für Personen ohne Ausbildung und/oder mit gesundheitlichen Problemen: „Hier bedarf es zielgerichteter Maßnahmen und Unterstützung.“
Noch stärker wird 2018 der Fokus auf die Qualifizierung von Arbeitsuchenden gelegt. Ziel ist dabei jedenfalls ein Lehrabschluss; schon allein dieser senkt das Risiko (erneut) den Job zu verlieren um das Dreifache. „Wir arbeiten in Sachen Qualifizierungen bereits sehr eng mit der Kärntner Wirtschaft zusammen, um Arbeitsuchende entsprechend des Bedarfs der Unternehmen passgenau ausbilden zu können. Denn dem Fachkräftebedarf können wir am besten gemeinsam begegnen.“
Weitere Schwerpunktthemen sind die Integration von MigrantInnen in den Arbeitsmarkt und die Digitalisierung.